LEICHTATHLETIK - Alle Meisterschaften bis Februar abgesagt – Kritik von Sportlern
  14.11.2020 •     Kreis Schwalm-Eder , Presse


Samstag, 14. November 2020, Fritzlar-Homberger Allgemeine / Schwalm-Eder-Sport

„Bewegung ist wichtiger denn je“

VON LOTHAR SCHATTNER

Frankfurt – Der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) hat aufgrund der coronabedingten Kontaktbeschränkungen alle für Januar und Februar 2021 bereits terminierten Hessischen Hallen-Meisterschaften sowie Hessischen Winterwurf-Meisterschaften in Frankfurt und in Hanau sowie die Titelkämpfe der Senioren in der Herrenwaldhalle in Stadtallendorf abgesagt.

Langfristig seien keine gleichen Trainingsbedingungen für die Athleten abzusehen. Zudem bestehe Unklarheit, welche Teilnehmergrößen bei den Veranstaltungen zulässig sein werden. Dennoch werde der Verband seinen Bundes- und Landeskader-Athleten die Möglichkeit bieten, im Rahmen von kleinen Meetings Leistungstests zu absolvieren und sich für die Deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund (Männer/Frauen) sowie in Sindelfingen (Jugend) zu qualifizieren.

Auf weitgehendes Verständnis, jedoch auch auf ein klares Bedauern stößt dieser Beschluss bei heimischen Trainern und Athleten. Wir haben uns umgehört:

Helmut Schneider (ESV Jahn Treysa): „Da der HLV ein Hygienekonzept sowie eine Athletenauslese in der Halle nicht darstellen kann, ist dieses die einzige Alternative. Titelkämpfe unterm Hallendach mit vielen Athleten auf engstem Raum sind nicht mit einem Fußballstadion ohne Zuschauer vergleichbar.“

Karlo Seck (SC Steinatal): „Einerseits ist die Forschung auf einem guten Weg, andererseits befinden wir uns alle noch sehr im Nebel des Ungewissen. Da bleibt nur die Möglichkeit, mit der Situation entsprechend mit der AHA-Regeln umzugehen. Daher lässt sich die Mitteilung nachvollziehen. Dennoch bieten wir individuelles Training im Gelände an.“

Alwin Wagner (MT Melsungen): „Weil Bewegung in der aktuellen Situation wichtiger ist denn je, trainieren die MT-Athleten in freier Natur, da an der frischen Luft das Immunsystem gestärkt und der Stress abgebaut wird. Für die Bundeskader-Athleten Luis Andre und Vivia Groppe heißt dieses nicht, Beine hochlegen und relaxen. Sie dürfen unter Hygiene- und Sicherheitsauflagen weiter trainieren. Doch das Solotraining ist für die langfristige Entwicklung in der Leichtathletik keineswegs von Vorteil. Die Athleten an der Basis bilden den Erfolg an der Spitze.“

Manfred Heinz/Jutta Junker (TuSpo Borken): „Die Absagen sind für die Weiterentwicklung der Athleten sehr schade, aber derzeit ist eine faire und optimale Vorbereitung für die Athleten nicht gegeben. Dennoch findet der Lauftreff des TuSpo Borken weiterhin jeweils samstags in abgespeckter Form statt.“

Martin Herbold (Hessischer Hallenmeister M 30): „So hat man als Athlet keine Perspektive und die Trainingsmotivation bekommt einen Rückschlag. Vor allem wenn man sieht, das andere Sportarten unter Auflagen Wettkämpfe und Veranstaltungen durchführen dürfen. In der Leichtathletik sollte es doch mit Hygienemaßnahmen möglich sein, Wettkämpfe durchzuführen. Das hat doch die Hessische Berglauf-Meisterschaft in Kassel gezeigt. Die Absage vieler Veranstaltungen wird das Wettkampfangebot nachhaltig verändern, da es viele dieser schönen Wettbewerbe in der Zukunft nicht mehr geben wird.“

Jana Kapaun (Hessische Hallenmeisterin W 40): „Jetzt fällt es mir persönlich schwer, mich weiterhin im Training zu motivieren um an die Zeiten anzuknüpfen, die man bis Februar 2020 noch auf die Bahn gebracht hat. Zudem benötigen wir eine Gelegenheit zur Qualifikation für die Deutsche Senioren-Meisterschaft.“

Hans-Gerrit Auel (Hessischer Hallenmeister M 50): „Die Entscheidung ist für mich nachvollziehbar. In geschlossenen Räumen halte ich die Gefahr für mögliche Ansteckungen mit dem Corona-Virus für zu hoch, es sei denn, man könnte für Luftreinigung/Luftaustausch sorgen.“ 4 Fotos: Lothar Schattner